Dienstag, 30. Dezember 2014

Beerdigungen, Mumien, Mägen

Bei Fischbeerdigungen wird dem Beerdigenden wärmstens empfohlen auf eine ausreichende Tiefe des Loches zu achten, um Ausgrabungsversuche seitens wilder Tiere zu vermeiden.

Karl hatte da ein ganz anderes Problem.

Er hatte vor kurzer Zeit seinen Job als Ananasmesser verloren. Für Laien: Dieser Beruf ist damit verbunden, in Landwirtschaftsbetrieben und Fruchtverarbeitungsfabriken die Grösse der Ananasse von Hand auf äusserst akkurate Art und Weise von Hand zu bestimmen. Leider hatte Karls Arbeitgeber sich zum Kauf eines modernen Laser-Messgerätes entschieden. Karls Freunde Fridolin, Max und Werner, ihrerseits Orangenmesser, Bananenmesser und Heidelbeermesser (ja, das Mitleid ist durchaus angebracht) hatten dasselbe Schicksal erleiden müssen.

Wer auf die Beerdigung des Fisches lieber verzichten möchte, kann auf die Mumifizierung und anschliessende Aufbewahrung im Sarkophag zurückgreifen. Ein eindrückliches Beispiel zu dieser Technik findet sich im British Museum in London.

An dieser Stelle ist es durchaus angebracht, kurz zu erläutern wie Karl überhaupt zum Ananasmesser geworden war. Seine Eltern, beide professionelle Wasserbett-Tester waren geschäftlich in Algerien und hatten Karl mitgeschleppt. Ja, eigentlich ist es schon äusserst pervers dass in der Wüste Wasserbetten verkauft werden aber laut Albert  sind ja nur zwei Dinge unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Wobei das mit dem Universum noch nicht ganz geklärt sein soll. Während die Eltern also ihrer Arbeit nachgingen amüsierte sich der kleine Karl beim Herumspringen auf  perversen Wüsten-Wasserbetten. Diese Aktivität macht durchaus müde und so kam es dann dass der junge Springinsfeld sich auf einem der Betten zum Ausruhen niederlegte. Unglücklicherweise handelte es sich dabei um das Modell „Treibsand“ und so passierte es dass der junge Karl in dem Bett versank und von seinen Eltern nie mehr aufgefunden wurde. Es muss gesagt werden, dass Karl an dieser Situation durchaus Gefallen fand. Die Familiensituation war nämlich aufgrund des Alkoholismus des Vaters und Analkolismus der Mutter stets sehr angespannt gewesen. Es fand sich schnell eine Pflegefamilie auf einer Ananasfarm in Thailand und so verbrachte Karl eine unbeschwerte Kindheit inmitten dieser herrlichen Früchte. Als er etwa zwanzig Jahre alt war kam dann ein Brief aus seiner Heimat. Darin wurde ihm mittgeteilt das sein Vater an einer Leberzirrhose und seine Mutter an Nierenversagen wegen ihres mit Analkoholismus verbundenen übermässigen Orangensaftkonsums gestorben waren und er ein ordentliches Sümmchen Geld geerbt hatte. So entschied sich Karl nach minimaler Bedenkzeit dazu, Thailand und der Ananasfarm den Rücken zuzukehren und in die Schweiz zurückzukehren. Mit zwanzig war er sowieso langsam aber sicher auf der Suche nach einer Frau fürs Leben und in Thailand wurde er des stetigen bösen Erwachens langsam aber sicher überdrüssig. In der Schweiz kaufte er sich ein kleines nettes Eigenheim inklusive Eigengrün und fand dank seiner langjährigen internationalen Erfahrung im Bereich der Ananasindustrie schnell eine Stelle als Ananasmesser. Und so war sein Leben vollkommen. Bis eben das Laser-messgerät ihm einen Strich durch die Rechnung machte.

Es gibt Fische ohne Magen.


Der Jobverlust traf die vier Freunde Karl, Fridolin, Max und Werner äusserst hart. Eine neue Stelle zu finden schien ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem versuchten sie es monatelang. Zudem gründeten sie eine Art Selbsthilfegruppe für arbeitslose Obstmesser. Um nicht aus der Übung zu kommen traffen sie sich jeweils Mittwochs in Karls zu einer Art Clubraum umfunktionierten Garage und vermassen Früchte. Man weiss ja schliesslich nie! Nach getaner Arbeit gab es jeweils einen schönen Fruchtsalat. Karl achtete dabei stets darauf, nicht zu viele Früchte zu konsumieren, um nicht das Schicksal seiner Mutter zu erleiden. Dieses Obstgemesse in der Garage ging einige Wochen lang gut doch die nach wie vor scheiternde Jobsuche nagte an der Stimmung der vier Freunde und so verfielen sie langsam aber sicher in die Depression. Sie wurden träge. Anstatt Obst vermassen sie nur noch Bilder von Obst, wodurch der 3D Effekt natürlich völlig verloren ging. Und anstatt Fruchtsalat konsumierten sie jetzt LSD.

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