Bei Fischbeerdigungen wird dem Beerdigenden
wärmstens empfohlen auf eine ausreichende Tiefe des Loches zu achten, um
Ausgrabungsversuche seitens wilder Tiere zu vermeiden.
Karl hatte da ein ganz anderes Problem.
Er hatte vor kurzer Zeit seinen Job als Ananasmesser
verloren. Für Laien: Dieser Beruf ist damit verbunden, in
Landwirtschaftsbetrieben und Fruchtverarbeitungsfabriken die Grösse der
Ananasse von Hand auf äusserst akkurate Art und Weise von Hand zu bestimmen.
Leider hatte Karls Arbeitgeber sich zum Kauf eines modernen Laser-Messgerätes
entschieden. Karls Freunde Fridolin, Max und Werner, ihrerseits Orangenmesser,
Bananenmesser und Heidelbeermesser (ja, das Mitleid ist durchaus angebracht)
hatten dasselbe Schicksal erleiden müssen.
Wer auf die Beerdigung des Fisches lieber
verzichten möchte, kann auf die Mumifizierung und anschliessende Aufbewahrung
im Sarkophag zurückgreifen. Ein eindrückliches Beispiel zu dieser Technik findet sich im British
Museum in London.
An dieser Stelle ist es durchaus angebracht,
kurz zu erläutern wie Karl überhaupt zum Ananasmesser geworden war. Seine
Eltern, beide professionelle Wasserbett-Tester waren geschäftlich in Algerien
und hatten Karl mitgeschleppt. Ja, eigentlich ist es schon äusserst pervers
dass in der Wüste Wasserbetten verkauft werden aber laut Albert sind ja nur zwei Dinge unendlich: Das
Universum und die menschliche Dummheit. Wobei das mit dem Universum noch nicht
ganz geklärt sein soll. Während die Eltern also ihrer Arbeit nachgingen
amüsierte sich der kleine Karl beim Herumspringen auf perversen Wüsten-Wasserbetten. Diese
Aktivität macht durchaus müde und so kam es dann dass der junge Springinsfeld
sich auf einem der Betten zum Ausruhen niederlegte. Unglücklicherweise handelte
es sich dabei um das Modell „Treibsand“ und so passierte es dass der junge Karl
in dem Bett versank und von seinen Eltern nie mehr aufgefunden wurde. Es muss
gesagt werden, dass Karl an dieser Situation durchaus Gefallen fand. Die
Familiensituation war nämlich aufgrund des Alkoholismus des Vaters und Analkolismus
der Mutter stets sehr angespannt gewesen. Es fand sich schnell eine
Pflegefamilie auf einer Ananasfarm in Thailand und so verbrachte Karl eine
unbeschwerte Kindheit inmitten dieser herrlichen Früchte. Als er etwa zwanzig
Jahre alt war kam dann ein Brief aus seiner Heimat. Darin wurde ihm mittgeteilt
das sein Vater an einer Leberzirrhose und seine Mutter an Nierenversagen wegen
ihres mit Analkoholismus verbundenen übermässigen Orangensaftkonsums gestorben
waren und er ein ordentliches Sümmchen Geld geerbt hatte. So entschied sich
Karl nach minimaler Bedenkzeit dazu, Thailand und der Ananasfarm den Rücken
zuzukehren und in die Schweiz zurückzukehren. Mit zwanzig war er sowieso
langsam aber sicher auf der Suche nach einer Frau fürs Leben und in Thailand
wurde er des stetigen bösen Erwachens langsam aber sicher überdrüssig. In der
Schweiz kaufte er sich ein kleines nettes Eigenheim inklusive Eigengrün und
fand dank seiner langjährigen internationalen Erfahrung im Bereich der
Ananasindustrie schnell eine Stelle als Ananasmesser. Und so war sein Leben
vollkommen. Bis eben das Laser-messgerät ihm einen Strich durch die Rechnung
machte.
Es gibt Fische ohne Magen.
Der Jobverlust traf die vier Freunde Karl, Fridolin,
Max und Werner äusserst hart. Eine neue Stelle zu finden schien ein Ding der Unmöglichkeit.
Trotzdem versuchten sie es monatelang. Zudem gründeten sie eine Art
Selbsthilfegruppe für arbeitslose Obstmesser. Um nicht aus der Übung zu kommen
traffen sie sich jeweils Mittwochs in Karls zu einer Art Clubraum
umfunktionierten Garage und vermassen Früchte. Man weiss ja schliesslich nie!
Nach getaner Arbeit gab es jeweils einen schönen Fruchtsalat. Karl achtete
dabei stets darauf, nicht zu viele Früchte zu konsumieren, um nicht das
Schicksal seiner Mutter zu erleiden. Dieses Obstgemesse in der Garage ging
einige Wochen lang gut doch die nach wie vor scheiternde Jobsuche nagte an der
Stimmung der vier Freunde und so verfielen sie langsam aber sicher in die
Depression. Sie wurden träge. Anstatt Obst vermassen sie nur noch Bilder von
Obst, wodurch der 3D Effekt natürlich völlig verloren ging. Und anstatt
Fruchtsalat konsumierten sie jetzt LSD.
